„Wetten auf die Zukunft“

Welche Chancen bietet der Mobilitätswandel, speziell der Markt für Elektrofahrzeuge, für branchenfremde Unternehmen?
Gute Chancen sehe ich für branchenfremde Entwickler, etwa bei den Ladestationen und den dazugehörenden Branchen wie der Abrechnungssoftware. Aber auch die Automobilindustrie entwickelt sich weiter. Die Energieversorger stecken hier als Infrastrukturversorger mittendrin – da spielen schon viele mit, in der Hoffnung, dass die Rechnung in Zukunft aufgeht. Regionale Versorger wie Stadtwerke und Landesenergieversorger setzen auf Ladeinfrastruktur und vermieten zum Beispiel E-Roller und -Mopeds. Wien-Energie ist da schon recht weit im Bereich Ausbau der Infrastruktur. Einige Start-ups bieten IT-getriebene Lösungen und versuchen ebenfalls, in der Mobilitätswelt mitzumischen. Insgesamt gestaltet sich der Mobilitätsmarkt noch schwierig, aktuell verdient noch niemand damit wirklich Geld. Viele Aktivitäten unterschiedlicher Unternehmen sind derzeit eher noch Wetten auf die Zukunft, auch wenn die Politik das Thema mit gewissen Incentives vorantreibt. Die Praxis zeigt aber, dass die Entwicklung nicht so schnell vonstattengeht wie gewünscht. Da gibt es noch einige Unwägbarkeiten.

Wo sehen Sie denn bereits Unternehmen aus anderen Industrien in den Mobilitätsmarkt vordringen?
Kreisel-Elektrik aus Oberösterreich versucht, den Mobilitätsmarkt mit extrem leichten und hocheffizienten Batterien aufzumischen. Da bleibt abzuwarten, wie schnell solche Unternehmen wachsen können, da es große Finanzierungsvolumina zu bewältigen gilt. Smatrics, ein Unternehmen von Siemens, Verbund und OMV, hat bereits Konkurrenz durch die Elektrotankstellenplattform ÖHUB, an die elf Anbieter des Elektromobilitätsverbandes BEÖ angeschlossen sind. Das Grazer Start-up Easelink bietet mit der Energie Steiermark „Matrix Charging“, einen voll automatisierten Ladevorgang. Auch Share Now, den Zusammenschluss von car2go und DriveNow, sehe ich hier als neues Angebot, zumal sie in Zukunft mehr alternative Antriebskonzepte einsetzen. Selbst klassische Autovermieter wie Sixt steigen in dieses Geschäft mit ein, aber der Markt bietet auch Chancen zum Beispiel für Zulieferer aus der Automobilindustrie. Bei den Infrastrukturanbietern wird sich erst noch zeigen, welchen Teil des Kuchens sie abbekommen werden. Ich glaube nicht, dass beispielsweise ein Landesenergieversorger jemals Autos verkauft – aber eine Vermietung bietet sich durchaus an, etwa durch eine preisreduzierte Mobilitätscard als Kundenbindungsprogramm. Und es werden Industrien in den Markt drängen, an die wir heute noch nicht denken.

Welche Unwägbarkeiten bremsen die Marktentwicklung derzeit noch?
Da greift eins ins andere: Zum einen ist es das noch fehlende Angebot von für die breite Masse auch bezahlbaren Fahrzeugen und zum anderen die noch fehlende Infrastruktur, die gerade dabei ist, sich zu entwickeln. Gerade das damit zusammenhängende Reichweitenthema ist bei den potenziellen Nutzern sehr stark im Fokus. Autofahrer müssten die Möglichkeit haben, sich ein Fahrzeug der Wahl zu nehmen, je nachdem, ob sie gerade Lang- oder Kurzstrecken fahren möchten.

Was sind die wesentlichen Eckpunkte für Strategien zum Einstieg in diesen Markt?
Man darf die Rechnung nie ohne den Wirt machen. Am Anfang steht immer die Überlegung, wo das Geschäftsmodell auch hinführen kann. Wenn aber ein Unternehmen ein Nischenprodukt anbieten kann, sei es Soft- oder Hardware, mit einem Wettbewerbsvorteil gegenüber der Branche, dann stehen die Chancen gut. Wichtig sind der Investitionsbedarf und die Renditeerwartung – die Frage also, was für mein Unternehmen dabei abfällt. Die grundsätzliche Profitabilität eines eigenen Angebots muss von Beginn an klar sein.

Was sind gute Beispiele für Industriekonvergenz in Österreich?
Bundesländer wie etwa Tirol und Salzburg vereint die Idee, Urlauber auch für längere Zeit möglichst emissionsfrei in die Täler holen zu holen. Da arbeiten regionale Energieversorger mit dem Tourismus zusammen und erste Hotels stellen die notwendige Infrastruktur bereit.

Wie sehen Sie den Mobilitätsmarkt in fünf Jahren – was wird sich dann wesentlich verändert haben?
Die Frage, wie ich von A nach B komme, wird sich wesentlich verändern. Dazu wird es Kuppelprodukte aus Carsharing und ÖPNV geben. Die Schweiz gibt da bereits die Richtung vor, in die es gehen könnte: Sie bietet über GPS ein neues Ticketing-System an, bei dem nur die gefahrene Strecke berechnet wird. Bei dem Tarifverbundsystem benötigen Passagiere nur ein Ticket pro Strecke, auch wenn sie mit verschiedenen Transportunternehmen und Verkehrsmitteln unterwegs sind. Aber auch im Automobilverkehr wird sich die Palette der Fahrzeuge deutlich und schnell verändern – erfolgskritisch ist, dass die Hersteller auf einen Fahrzeugpreis kommen, der auch von der breiten Bevölkerung angenommen wird. Die Vorgaben für reduzierte CO2-Emissionen werden sich dabei hoffentlich nicht nur auf die Elektromobilität auswirken, sondern auch Wasserstoff- und Brennzellentechnologie müssten sich durchsetzen, damit eine spürbare Veränderung erzielt wird.

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