„Mehr übergreifende Zusammenarbeit“

Wie gut sind die kommunalen Verkehrssysteme in Österreich für die sogenannte „letzte Meile“ auf dem Weg zum Kunden gerüstet?
Da gibt es noch viel zu tun. Die Logistik der „letzten Meile“ ist der größte Kostentreiber im E-Commerce und behindert den Verkehr in den Städten. Im Fokus liegen dabei zwei Aspekte: die Zustellung zu Geschäften mit größeren Trucks sowie die Zustellung an die Haushalte. Beides ist ein großes Problem. Vor allem Wien braucht Lösungen jenseits bisheriger Standards. Viele Logistiker sind hier aktiv, auch Amazon mischt bereits mit. Das Unternehmen hat ein neues Logistikzentrum nahe Wien gebaut und begonnen, im Raum Wien selber zuzustellen. Im ländlichen Raum in Österreich hat insbesondere die Post eine Zustellverpflichtung. Hier steht stabile Versorgung im Vordergrund.

Harald Dutzler ist Partner bei Strategy& Österreich, Teil des PwC-Netzwerks und Experte für E-Commerce und Logistikstrategien. Mehr lesen »

Harald Dutzler ist Partner bei Strategy& Österreich, Teil des PwC-Netzwerks und Experte für E-Commerce und Logistikstrategien. Er arbeitet primär mit Konsumgüter- und Handelsunternehmen an innovativen Supply-Chain- und Logistikstrategien zur Erfüllung der sich ändernden Kundenanforderungen. In der aktuellen Studie „Solving the online logistics dilemma“ untersucht Strategy& praktische Lösungen für profitable Last-Mile-Zustellung. Weniger lesen »

Wird die „letzte Meile“ künftig noch mehr zum Engpass?
Aufgrund der weiter zunehmenden Onlinebestellungen der Kunden und der entsprechenden Lieferungen ist davon auszugehen. Dann werden die Kommunen noch stärker reglementieren. Sie sind auch stark gefordert, richtige Lösungen zu schaffen, ohne überzureagieren – das ist keine leichte Balance. Man versucht ja bereits, die Zufahrt in die Städte auf bestimmte Zeitfenster sowie auf Fahrzeug- und Motorisierungstypen zu beschränken.

Wie hilfreich ist es denn, wenn die Regulierer mit Verboten reagieren?
Es ist durchaus sinnvoll, einen Rahmen zu geben, wer wann in die Stadt fahren darf. Ohne Vorgaben würde der freie Markt die Zeit rund um die Uhr nutzen, da braucht es schon Vorgaben, wie auch bei den Ladenöffnungszeiten. Es wäre nicht sehr bürgerfreundlich, wenn morgens um drei die „Sprinter“ durch die Straßen donnern würden. Mit einem „Elektro-Sprinter“ wäre das schon etwas anderes. Genau solche Fragen müssen die Kommunen jetzt klären.

Welchen Beitrag können die Logistiker leisten, um die „letzte Meile“ effizienter zu gestalten?
Das Problem der „letzten Meile“ lässt sich vor allem durch Skaleneffekte lösen, also beispielsweise die Bündelung möglichst vieler Zustellungen, die nah beieinanderliegen. Und es müssten nicht unbedingt verschiedene Logistiker mit einem Paket ins Viertel fahren. Die Logistiker sind daher gefordert, intelligente Lösungen für die Zustellungen zu bieten – etwa durch Bündelung von zuzustellenden Waren am Stadtrand und optimierte Runden sowie pfiffige Konzepte, wie eine Lieferung an den Arbeitsplatz.

Überdies müssten sich die Logistiker auch mit den Kommunen zusammensetzen, besonders weil die jeweiligen Zielvorstellungen sehr unterschiedlich sind. Ob das letztlich harmonisch endet, da bleibe ich skeptisch.

Warum? Ist mehr Kollaboration denn nicht dringend geboten?
Mehr übergreifende Zusammenarbeit wäre definitiv zielführend, denn der ökonomische Druck auf die Logistiker wächst. Und viele Kommunen werden verstärkt daran arbeiten, den Zugang zu den Innenstädten zu reglementieren. Das wird letztendlich durchaus Kooperationsmodelle befeuern, die auch noch flexibler sein werden, um mehrfache Anfahrten zu vermeiden. Das wiederum erfordert intelligentere Lösungen für die Paketannahme.

Woran denken Sie da?
In Moskau beispielsweise sind Lösungen weit fortgeschritten, dass der Zusteller in direkter Interaktion mit den Adressaten vereinbart, wo die Lieferung abgegeben werden kann. In diese Richtung gibt es auch hierzulande erste Tests: Im Handwerk wird teilweise in Ballungszentren direkt ins Fahrzeug zugestellt, und der Handwerker kann mit der Lieferung direkt auf die Baustelle fahren. Es werden sich aber auch Zustellstationen und -boxen in der Nachbarschaft durchsetzen, um das große Problem der Mehrfachfahrten zu reduzieren.

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