Interview

„Vorliebe für fordernde Projekte“

Zur Person Über Jochen Zeitz

Jochen Zeitz, geboren 1963 in Mannheim, ist zusammen mit Sir Richard Branson der Co-Founder und Co-Chairman des „B Team“ und Gründer der Zeitz Foundation for Intercultural Ecosphere Safety, um nachhaltige Lösungen zu finden, die Naturschutz, Gemeinschaft, Kultur und Wirtschaft in Balance bringen. Er ist der Ex-CEO von Puma und Mitglied des Vorstands von Harley-Davidson seit 2007. Er ist auch im Board von Wilderness Safaris. Die Zeitz-Sammlung wurde 2002 gegründet. Seit 2008 strebt sie danach, die repräsentativste Sammlung zeitgenössischer Kunst des afrikanischen Kontinents und der Diaspora zu werden.

Wie viel Mut haben Sie als Geschäftsmann gebraucht, um afrikanische Kunst anstelle von deutscher Kunst zu sammeln? Wie hat Ihre Passion Sie vom Sportswear CEO zum Nachhaltigkeitsaktivisten und zum Sammler von zeitgenössischer Kunst geführt?
Ich liebe Afrika und hatte ein Zuhause in Kenia in den vergangenen 14 Jahren. Aber meine Leidenschaft für den Kontinent hat vor Jahrzehnten begonnen. Ich habe hier und da einige Kunst gekauft, aber mich erst zum Aufbau einer ernsthaften Kollektion entschlossen, als die Idee aufkam, für die Kunst eine Heimat in Afrika zu finden. Das war, als ich Mark Coetzee – den jetzigen Executive Director des Zeitz MOCAA – traf, während seiner bahnbrechenden Show „30 Americans“. Das war eine der wichtigsten Ausstellungen von afrikanisch-amerikanischen Künstlern. Zu dieser Zeit war ich der CEO von Puma, und dank der Beraterin Marie Claude Beaux habe ich die Show gesponsert, die Mark kuratiert hat. Die Kunst hat mich einfach umgehauen. Die Tour war ein großartiger Erfolg. Sie tourt heute noch. Sie hat meine Leidenschaft für zeitgenössische Kunst aus Afrika und der Diaspora geweckt.

Wie kann afrikanische Kunst andere Menschen ermutigen?
Ich denke, indem man Menschen erlaubt, sich auszudrücken, in welcher Form es ihnen passend erscheint. Kunst aus Afrika kann Mut beflügeln durch die verschiedenen Themen und Botschaften, die der Künstler kommuniziert. Die Kreation von solch einer wichtigen Plattform wird den kreativen Stimmen des afrikanischen Kontinents helfen, ihre eigene Erzählkultur zu formen.

Wie kann das Museum ein Mutmacher für zukünftige Projekte werden, die Kapstadt und Südafrika positiv inspirieren?
Indem wir uns kontinuierlich weiterentwickeln, um relevant zu bleiben und um so repräsentativ wie möglich für den afrikanischen Kontinent in Bezug auf die Kunst des 21. Jahrhunderts zu sein. Für zu lange Zeit hatten wir das Gefühl, dass wir nicht genug Gelegenheiten kreiert haben, das unglaubliche künstlerische Talent Afrikas der Welt zu präsentieren.

<p>Vom Manager zum Unternehmer und Kunst­sammler: Ex-Puma-Chef Jochen Zeitz gibt mit seinem Museum dem Kontinent Afrika ein neues Gesicht.</p>

Vom Manager zum Unternehmer und Kunst­sammler: Ex-Puma-Chef Jochen Zeitz gibt mit seinem Museum dem Kontinent Afrika ein neues Gesicht.

Was würden Sie Entscheidern empfehlen, wie sie die Welt positiv auf neue Art beeinflussen können?
Platzieren Sie Nachhaltigkeit in das Herz und die Seele Ihrer Geschäfts-DNA und machen Sie sie aussagekräftig für Ihr Unternehmen, ihre Brands, Kunden und Konsumenten.

Wie einschüchternd war das MOCAA-Projekt für Sie?
Es war weniger einschüchternd als herausfordernd, auch wenn ich eine Vorliebe für fordernde Projekte habe. Puma ist ein passendes Beispiel dafür, genauso wie mein Naturschutzprojekt Segera in Kenia. Jede große Gelegenheit ist normalerweise gleichzeitig eine große Herausforderung, und mir macht es nichts aus, Risiken einzugehen.

Was war die größte Herausforderung, wo mussten Sie richtig viel Mut aufbringen, und was haben Sie von dem Projekt gelernt?
Die Gründung einer bedeutenden kulturellen Institution dieser Größenordnung und mit diesem Einfluss ist auf diesem Kontinent zuvor noch nicht erreicht worden. Sicherlich nicht in den vergangenen 100 Jahren. Deshalb denke ich, dass es immer diejenigen geben wird, die mehr Zeit brauchen werden, zu verstehen, was wir zu tun versuchen. Es hat natürlich große Herausforderungen auf dem Weg dahin gegeben, aber die fanden die V & A Waterfront und ich (als Co-Founder) sehr reizvoll. Wir wollen sicherstellen, dass das Museum gut platziert ist, um den Kontinent seinen eigenen Dialog entwickeln zu lassen, die Menschen zu informieren, damit sie sich selbst eine Meinung bilden können, und afrikanischen Künstlern die Plattform zu geben, die sie verdienen.

Was war das mutigste Projekt, das Sie angegangen haben als Geschäftsmann, und wie hat Sie das beeinflusst?
Ich bin CEO von Puma im Alter von 30 Jahren geworden – die daraus resultierende 18-jährige Reise war eine beängstigende Herausforderung, die dann dank großartiger Teamarbeit eine fantastische Erfolgsgeschichte wurde. Sie hat mir auch die Gelegenheit gegeben, meine anderen Passionen im Leben zu verfolgen.

Wie sind Sie emotional mit Ihrer Kunstsammlung verbunden?
Für mich geht es um die Leidenschaft, allerdings ist es für mich eine sehr emotionale und herzerwärmende Erfahrung, dass meine Kollektion jetzt eine Heimat in Afrika findet und damit zugänglich für jeden ist.

Was bezwecken Sie mit der Ausstellung Ihrer Sammlung?
Wir haben meine Kollektion mit der Absicht aufgebaut, dass sie in einem Museum in Afrika ausgestellt werden würde. Zeitz MOCAA ist ein einschneidendes Vorhaben für alle Beteiligten, und wir sind total aufgeregt über die anstehende Eröffnung an der V&A Waterfront für das allgemeine Publikum.

Haben Sie von Anfang an geplant, die zeitgenössische afrikanische Kunst in Afrika auszustellen, oder haben Sie auch Deutschland in Erwägung gezogen?
Von Anfang an wollte ich die Sammlung in Afrika beheimaten, weil ich glaube, dass Menschen Kunst in den Kontext mit ihrer eigenen Umgebung setzen sollten. Nach vielen Jahren des Suchens hatten wir das Glück, uns mit der V&A Waterfront zu treffen, und haben Überlegungen angestellt, wie man am besten Kapstadts historisches Getreidesilo umfunktionieren könnte.

Wie beeinflusst die Kunst die Besucher des Museums? Welche Erfahrungen sollen sie machen?
Ich denke, dass die Kunst zu einem hochwichtigen Dialog mit den Besuchern auffordert, der sich kulturell, politisch, sozial, und ökologisch erstreckt. Sie erlaubt Menschen, schwierige Themen zu behandeln und sich auf bedeutsame Weise zu verbinden, aber auch, ihre eigene Meinung zu bilden zu einigen der wichtigsten Belange der Welt.

Ist das Museum „nur“ zum Ansehen, oder wird es spezielle Veranstaltungen geben, um die Inspirationen umzusetzen oder spezielle Themen zu diskutieren?
Das Zeitz MOCAA wird auch besondere Bedeutung auf Bildungsbereicherung und Schulprogramme legen, in der Hoffnung, die jüngeren Generationen zu inspirieren und den Zugang für alle beizubehalten.

Wer sind Ihre Lieblingskünstler und Lieblingswerke?
Es ist schwierig, Vorlieben als Sammler zu haben, wenn man die Kollektion für ein Museum aufbaut. Ich liebe jeden einzelnen Künstler und seine Arbeit dafür, was er versucht auszudrücken.

Können Sie bitte zeitgenössische afrikanische Kunst erklären? Was ist so besonders daran, und wie beeinflusst sie das Leben?
Die zeitgenössische afrikanische Kunst hat mich seit einiger Zeit in Erstaunen versetzt, trotzdem ist es sehr schwierig, über zeitgenössische afrikanische Kunst allgemein zu sprechen, weil Afrika so vielfältig ist und die regionalen Unterschiede so ausgeprägt sind. „One size fits all“ kann man hier wirklich nicht anwenden. Wir versuchen, mit dem Museum eine repräsentative Bandbreite für ganz Afrika so gut wie möglich sicherzustellen.

Wie kontrovers ist es, zeitgenössische Kunst zu unterstützen, die noch dazu aus einem „vergessenen Kontinent“ wie Afrika kommt?
Meiner Meinung nach gibt es kein Risiko oder, besser gesagt, es sollte kein Risiko geben.

Was mögen Sie am liebsten am MOCAA?
Es ist so wichtig, dass das örtliche Publikum das Museum besuchen und erfahren kann.

Was steht als Nächstes auf Ihrer Agenda?
Ich bin vor Kurzem zum zweiten Mal Vater geworden, und ich denke, dass ich für längere Zeit kurze Nächte haben werde.

Was bedeuten Afrika und Südafrika für Sie, und wie haben sie Sie als Geschäftsmann beeinflusst?
Ich bin Staatsbürger von Kenia seit über einem Jahrzehnt und habe seit langer Zeit eine spezielle Liebe für den Kontinent, das Land und seine Menschen. Ich finde, die Nähe zur Natur und der Lebensart in Afrika gibt mir eine interessante und andere Perspektive auf das eigene Leben.

Bildnachweis: PR/MOCAA, dpa Picture Alliance/Kristin Palitza/Picture Alliance

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