Interview

„Revolutionäres Potenzial“

Zur Person Prof. Dr. Philipp Sandner

Der Werkstoff-Wissenschaftler Thomas Zeinzinger gründete im Mai 2016 den BlockchainHub Graz, im Netzwerk mit BlockchainHubs in Berlin und Brüssel.

Wie disruptiv wirkt die Blockchain für etablierte Unternehmen?
Blockchain hat ein revolutionäres Potenzial, um Geschäfts­prozesse und ganze Geschäftsmodelle zu verändern. Wie schnell und umfassend sich das vollzieht, hängt von der jeweiligen Branche ab. Dort, wo wenig Handlungsspielraum herrscht und stark reguliert wird, eher weniger, da die Unternehmen mehr Zeit haben und nicht überrumpelt werden können, etwa in der Energie – obwohl sich da auch schon einiges tut. Da wird es viele neue Mitspieler geben, aber die werden nicht wirklich disruptiv für die Etablierten. Im Bankenbereich wird das schon gefährlicher, da dort neben der sich entwickelnden Bezahlfunktion über eine Blockchain auch viele Dienstleistungen in einzelnen Servicebereichen angeboten werden. Die eigentliche Disruption liegt aber darin, dass Blockchain-Systeme eine neue Ökonomie und Tauschmittel für neue Dienstleistungen zulassen. Geld, wie es heute ist, löst sich allmählich auf in viele mögliche Währungen, ganz im Sinne von Friedrich August von Hayek, dem Nobelpreisträger und prominenten Vertreter der Österreichischen Schule. Der Bereich Identitätsmanagement ist in dem Zusammenhang auch ein interessantes Entwicklungsfeld, weil es ein zentrales Puzzleteil ist, zu wissen, mit wem man interagiert. Großes Potenzial besteht auch in der dezentralen Datenspeicherung. Viele Chanchen für Blockchain-Lösungen sehe ich auch im Gesundheitsbereich. Auch in der Mobilität wird sich einiges tun.

An welche konkreten Beispiele denken Sie dabei?
Die Plattform „Share & Charge“ des Start-ups Slock.it und Innogy bietet die Möglichkeit, dass Privatleute ihre Elektrotankstelle zur Verfügung stellen, das Auto zahlt dann über die Blockchain selber. Die weiterführende Vision dahinter: Autos mit einer eigenen Geldbörse, die sich selber in städtischen Tiefgaragen aufladen und dafür bezahlen und einfach über eine App angemietet werden können. Die Abwicklung erfolgt vollautomatisch über Smart Contracts, die in einer Blockchain gespeichert sind. Solche Lösungen sind auch interessant für den gesamten Logistikbereich – kleine Hubs mit verschiedenen Carriern, die sich über ein komplexes automatisiertes Netz bedienen und über eine eigene Währung wie einen Krypto-Euro untereinander abrechnen.

Wo steht Österreich bei der Blockchain im internationalen Vergleich?
Wenn man die unterschiedlichen Bereiche ansieht, so kann man durchaus stolz auf den internationalen Vergleich sein. In der Vergangenheit waren schon früh Österreicher an namhaften internationalen Produkten mitverantwortlich – so bei Namecoin, Mastercoin (Omni) und Mycelium. Es gibt drei bekannte Börsen und Krypto-Händler – Coinfinity, BitPanda und Bisq. Wir haben weitere Spezialisten im Identity-Management und mit Minebox die einzige am Markt befindliche Speicherlösung, die eine Abrechnung via Kryptocoins eingebaut hat. Zurzeit formieren sich gerade mehrere universitäre Institute, und auch viele nicht-universitäre Forschungseinrichtungen haben eigene „Blockchain“-Bereiche eingerichtet. Mit Blockchain Austria hat das Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft auch auf politischer Ebene ein Zeichen gesetzt. Der 9-Punkte-Plan soll das bereits sehr dynamische Blockchain-Umfeld weiter unterstützen und vor allem auch regulatorisch sichere Rahmenbedingungen liefern.

Bildnachweis: PR

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