"Quantensprung auf vier Ebenen"

Wie gehen Sie das Thema „Finance 4.0“ im Rahmen Ihrer Digital Journey 2025 an?

Das beginnt bei der Automatisierung von Standardprozessen. Wir wollen nicht nur die Mitarbeitereffizienz steigern, sondern auch wegkommen von Einzelanalysen, hin zu Massenanalysen durch Robotics, indem wir Routineprozesse wie Buchungen, Bestellungen, Analysen und Planungsprozesse in einen digital abbildbaren Kontext stellen. Dazu haben wir bereits zehn verschiedene Pilotprojekte laufen und insgesamt mehr als 100 Robots im Einsatz, die uns jetzt diese digitalen Prozesse ermöglichen. Wichtig ist aber auch, im gesamten Unternehmen auf harmonisierte und einheitliche Datenquellen setzen zu können. Das wollen wir durch den Umstieg in der SAP-Welt mit SAP 4/Hana, auch S4Future genannt, umsetzen. Ziel ist es, für alle zentralen Daten eine „single source of truth“ zu haben, bei der alle Analysen auf dieselben Quelldaten zurückgreifen, was auch Fehler absolut minimiert. Derartige Initiativen laufen bei mir im CFO-Büro zusammen.

Wie verändern die digitalen Tools das CFO-Büro der Zukunft bei der OMV?

Wir erwarten uns einen Quantensprung auf vier Ebenen: mehr Effizienz durch Automatisierung, eine höhere Reaktionsgeschwindigkeit bei Berichten und Anfragen, eine grundsätzliche Evolution des Arbeitens und der Informationsgestaltung sowie ein schnelles Lernen, mit der Verarbeitung von Massendaten umzugehen, nicht zuletzt durch Automatisierung bei Planung und Forecast.

Spielt das Thema Sicherheit dabei keine Rolle?

Im Gegenteil: Wir sind in höchstem Maße bestrebt, dass wir gegenüber Cyberattacken gefeit sind, auch gegenüber falschen Infos, die eingespielt werden. Sicherheit hat dabei für mich zwei grundsätzliche Aspekte: Wir wollen die Sicherheit der Aussagen steigern, also bei Vorhersagen weniger Fehler machen, aber eben auch die Sicherheit gegenüber Angriffen von außen.

Wie ändert sich Ihre Rolle als CFO durch die digitalen Technologien?

Der Finanzvorstand als solcher ist im Prinzip grundsätzlich ein Qualitätscontroller und Zukunftsplaner – und damit eine Kalibrierungsinstanz, die gewährleisten muss, dass in verschiedenen Szenarien die Sicherheit des Unternehmens garantiert ist. Und das funktioniert dank der Technologien jetzt noch effektiver. Daher haben wir zum Beispiel ein Shared Service Center aufgelöst und ins Headquarter zurückgeholt. Aber wir konnten trotzdem noch die Kosten senken und die Effizienz auf den Plattformen deutlich steigern. Wir bieten als enorm wichtiger Ansprechpartner für alle im Unternehmen jetzt noch mehr Datentransparenz, und das sehr anwendungsfreundlich.

Können die OMV-Mitarbeiter mit der Entwicklung Schritt halten?

Durchaus, auch wenn viel Routine wegfällt, dafür anderes auch anspruchsvoller wird und so manches nicht mehr mit den ursprünglichen Ausbildungsprofilen übereinstimmt. Unsere bestehenden Mitarbeiter stehen daher bei all dem Technologieeinsatz absolut im Mittelpunkt von Training und Enabling.

Brauchen Sie auch neue Mitarbeiter mit anderen Skills?
Indem wir das Unternehmen auf Neues vorbereiten, müssen wir auch anerkennen, dass es eine neue Generation gibt, deren Fähigkeiten und Kenntnisse wir einbringen müssen, denn wir können gar nicht alles auftrainieren. Das heißt, wir müssen Spezialisten von außen hereinnehmen, die dann dazu beitragen, die eigenen Mitarbeiter auf der neuen Wissensbasis deutlich stärker auszubauen. Erlauben Sie mir dazu noch eine grundsätzliche Anmerkung: Die Technologien sind weit mehr als nur ein neuer Werkzeugkasten, sondern sie sind Initiator für Veränderung. Das betrifft neben der Mitarbeiterbesetzung auch den kollaborativen Arbeitsstil und das Verfügbarmachen von Ressourcen, die die Mitarbeiter auf diesem Weg benötigen.

Wie verändert der Einsatz digitaler Tools Ihre tägliche Arbeit und Leistungsfähigkeit?

Solch ein Changeprozess erfordert Führung von der Spitze weg. Wir Vorstände müssen da Vorbild sein und die Kultur des Unternehmens und der Zusammenarbeit mit Partnern, Lieferanten und Kunden verändern. Das ist ein weiter Bogen, den wir da spannen müssen. Wir befeuern einen Motor, der ständig an der Veränderung arbeitet. Mir fällt diese Veränderung nicht leichter als anderen Mitarbeitern. Ich musste auch eine gewisse Anfangsskepsis überwinden, sehr viel lernen und die Tools aktiv nutzen. Schließlich habe ich ja die Strategie im Finanzbereich auf diese neuen Tools ausgerichtet. Mein persönlicher Alltag sieht deutlich anders aus als vor zehn Jahren - sehr viel mobiler, schneller, und das bei besserer Informationsqualität. Man kann sehr viel zeitnaher eingreifen. Aber ich muss mich bisweilen auch disziplinieren, insbesondere im Privaten, um die Nutzung digitaler Möglichkeiten nicht zu übertreiben.

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