Die Teilnehmer der TEDx-Konferenz staunten nicht schlecht, als die Irin Ciara Judge im Pyjama auf die Bühne trat. Und ihr Einstieg passte zum ungewöhnlichen Outfit: „Computer starteten in einer Garage, Facebook in einem College-Dorm. Heute werden die größten Entdeckungen möglicherweise nicht mehr von Hightech-Laboren oder großen Firmen entwickelt, sondern von Teenagern in ihren Schlafanzügen.“ Sie startete tatsächlich, zusammen mit ihrer Freundin Emer Hickey, mit 14 aus ihrem Schlafzimmer heraus – zur Lösung der globalen Ernährungskrise. Wo große Unternehmen bereits abwinkten, ließen die Teenager nicht locker. Ciara sagt: „Junge Menschen verfügen über ganz besondere Ressourcen, weil sie optimistisch sind. Vielleicht haben sie nicht das Hintergrundwissen von Profis, aber gerade das kann zu den verrücktesten Entdeckungen führen.“

Mit ihren 18 Jahren ist Ciara Judge eine typische Vertreterin der Generation Z, die sich unkonventionell und ohne Vorbehalte daranmacht, die Welt zu retten. Wer sich mit der mehrfachen Preisträgerin unterhält, ist schnell davon überzeugt, dass ihr das auch gelingt. Sie ist gemeinsam mit ihrer Freundin Emer Hickey Kodirektor ihres ersten Unternehmens, Germinaid Innovations. Innerhalb von drei Jahren hat sie ein Bakterium entwickelt, das die Keimzeit von Getreide beschleunigt und den Ernteertrag um 74 Prozent steigert. In diesem Sommer gründete sie zusammen mit einem MIT-Team „­PurchaseMate“ – einen Barcode-Scanner für Informationen über ­Supermarkt-Lebensmittel. Gleichzeitig studiert sie und engagiert sich leidenschaftlich im „Project Zilkr“, einer Online-Plattform für junge Leute, die ebenfalls Entrepreneurs werden möchten. Ciaras Motto: „Wenn ich es kann, kann es auch jeder andere!“

Mit der zunehmenden Digitalisierung rückt die junge Generation auch in den Fokus von Unternehmen und Personalverantwortlichen, die beim Aufbruch zu neuen Geschäftsmodellen auf Mitarbeiter angewiesen sind, die mit der digitalen Welt und einer Flut neuer Geräte, Anwendungen und Technologien früh erwachsen geworden sind.

84 Prozent der in Studien Befragten der Generation Z sehen es als ihre Pflicht an, die Welt zum Besseren zu verändern. Es scheint, als wäre die alte Weisheit „Die einzige Konstante ist der Wechsel“ für die Gen Z eine selbstverständliche und tief sitzende Maxime geworden. „Sie könnte sehr wohl die erste Generation in der Menschheitsgeschichte werden, die frei von Furcht vor zukünftigen Veränderungen ist“, bescheinigt die Metastudie „Generation Z“ des Schweizer Schulungsunternehmens Triple-A-Team. Über drei Jahre hinweg wurden darin die maßgeblichen Studien und ihre wesentlichen Aspekte zusammengefasst. Eine zentrale Erkenntnis: Die Kommunikation der Generation Z innerhalb der Peergroup findet in bestimmendem Ausmaß durch die Netzwerke statt. „Die Angehörigen der Gen Z existieren vor allem durch ihre Digitalität. Sie sind dadurch gezwungen, mit großem Zeit- und Energieaufwand die eigene Veränderung konstant online zu dokumentieren. Hier zeigt sich das grundlegend Neue, gleichzeitig aber auch der zwangsneurotische Charakter der digitalen Persönlichkeit“, schreiben die Studienautoren.

Technologie scheint einer der Faktoren zu sein, der die Generation Z weltweit eint. Dabei halten die jungen „Masterminds“ die Augen auf und sehen Probleme auch in ihrer nächsten Umgebung, wie einer der diesjährigen Gewinner im europäischen Wettbewerb EUCYS (European Union Contest for Young Scientists): Valerio Pagliarino wohnt in einem italienischen Dorf mit schlechtem Internet-Anschluss. Der 16-Jährige hat ein „Laser-Internet“ erfunden, mit dem das Internet über normale Stromleitungen und ohne teure Glasfaser oder Bodenarbeiten auch die entlegensten Gebiete erreichen kann. Der 1999 geborene Rumäne Tamás Imets, Finalist der Google ­Science Fair 2016, hat ein „Yedi-Headset“ entwickelt – es steuert mit Gedanken Roboter. Sein Ziel: Menschen im Rollstuhl zu mehr Bewegungsfreiheit verhelfen. Elise by Olsen, jüngste Verlegerin Norwegens, verließ die Schule, weil sie dazu einfach keine Zeit mehr hatte. Mit 13 war sie genervt, weil alle Mädchen die gleichen Klamotten trugen und das gleiche Make-up. Sie startete mit einem Blog über Subkultur und alternative Mode. Heute kommt Ihr Modemagazin „Recens“ zweimal im Jahr heraus.

Ein typisches Beispiel für den selbstverständlichen Umgang mit digitalen Medien ist die Gründungsstory von gostudent.at. Mathe-Ass und Gründer Felix Ohswald, Jahrgang 1995, bekam vor knapp zwei Jahren per WhatsApp eine Anfrage seines fünf Jahre jüngeren Bruders Moritz zu einer Mathematikaufgabe, die er auf dem gleichen Weg beantwortete. Zusammen mit seinen Freunden Gregor Müller, 23, und Ferdinand von Hagen, 21, sowie mit der Unterstützung von Business Angel Jörg Flöck von Highlight Ventures nahm er das zum Anlass, eine Tutoring-Plattform für Schüler aufzubauen. Die Schüler können darauf ihre Fragen zu einem beliebigen Schulfach eingeben, die dann von einem der mittlerweile 500 Tutoren beantwortet werden. „Uns ist wichtig, dass Menschen hier die Antwort geben. Die Motivation der Tutoren ist es, den Schülern weiterzuhelfen und ihnen quasi bei schwierigen Fragen das Leben zu retten“, sagt Felix Ohswald.

Niko Moshammer, Christoph Rebernig und Karim Abdel Baky, die drei 18- und 19-jährigen Gründer der Wiener regreen GmbH, wollen mit ihrem Unternehmen nichts weniger als das „Google der Umwelt“ werden. Die Schüler der Schumpeter Handelsakademie Wien haben dafür schon vor drei Jahren den Busisnessplan geschrieben. Ihre Firma ermöglicht es Privatpersonen und Firmen, ihren CO2-Ausstoß zu berechnen und über internationale und nationale Projekte wie Waldaufforstungen und Naturschutzgebiete auszugleichen. Zu den ersten Firmenkunden zählen ein Biohof, ein Autohaus und der Hersteller eines Fairtrade-Biogetränks.