„Das Glas ist halb voll“

Der „17. Global CEO Survey“ von PwC zeigt: Doppelt so viele Topmanager wie noch im Jahr zuvor glauben an eine Belebung der Weltwirtschaft. Doch die Krise steckt den Chefs noch in den Knochen.

Der Optimismus kehrt zurück in die Führungsetagen: 44 Prozent und damit doppelt so viele Vertreter der weltweiten Management-Elite wie vor einem Jahr rechnen in den kommenden zwölf Monaten mit einer Belebung der Weltwirtschaft. Die weltweit größte Zuversicht zeigen die Manager in Westeuropa, von denen jeder Zweite fest mit einer Belebung der Welt-Konjunktur rechnet. Am wenigsten zuversichtlich äußern sich die Manager aus Zentral- und Osteuropa (26 Prozent). Dies geht aus dem „17. Global CEO Survey“ von PwC hervor, für den diesmal 1344 Vorstandschefs aus 68 Ländern befragt wurden.

Norbert Winkeljohann, Vorstand PwC Europe, zu den Ergebnissen: „Die Zuversicht unter den Topmanagern beginnt wieder zu wachsen. Sie haben ihre Unternehmen erfolgreich durch die Krise geführt und wechseln nun aus dem Überlebens-Modus in Wachstums-Programme. Dennoch ist das Glas erst halb voll. Die Manager erkennen, dass sie sich auf neue Herausforderungen einstellen müssen.“

Die zentralen Ergebnisse im Überblick: Die wirtschaftlichen Kräfteverhältnisse der Welt verschieben sich erneut. In einigen klassischen Wachstumsmärkten wie Brasilien sinken die Zuwachsraten deutlich. Große Sorgen bereitet den CEOs die Politik, und die Botschaften der Manager an die Regierungen ist unmissverständlich: Überregulierung, Staatsdefizite und die Angst vor Steuererhöhungen sind die meistgenannten Bedrohungen für die Wirtschaft. Und: Neue Technologien, demogra­fischer Wandel und die weltweite Umverteilung der Wirtschaftskraft werden innerhalb der nächsten fünf Jahre zum großen Härtetest für die Unternehmen.“

Unterschiede zeigen sich auch beim Blick auf die verschiedenen Branchen: 46 Prozent der Manager aus der Tourismus- und Freizeit-Branche sind sehr zuversichtlich, wenn es um die Entwicklung der Weltkonjunktur in diesem Jahr geht, dicht gefolgt von der Banken- und Kapitalmarktbranche (45 Prozent). Mit 44 Prozent gleichauf folgen Handel, Finanzdienstleistungen, Asset-Management und Kommunikation. Von den Vertretern des Ingenieur- und Bauwesens sind 41 Prozent sehr zuversichtlich. In der metallverarbeitenden Industrie sind nur 19 Prozent der Firmenlenker optimistisch.

Etwas optimistischer als im Vorjahr sind die Topmanager, wenn es um das Umsatzwachstum des eigenen Unternehmens in den kommenden zwölf Monaten geht: Weltweit sind 39 Prozent (+3 zum Vorjahr) zuversichtlich, der Europa-Durchschnitt ist um 8 Prozentpunkte auf 30 Prozent leicht gewachsen. Die größte Zuversicht herrscht unter den CEOs in der Region Mittlerer Osten. Hier steigt der Wert auf 69 Prozent (+16 zum Vorjahr). Asien-Pazifik folgt mit 45 Prozent (+9 zum Vorjahr). Klar nach unten geht die Tendenz in Afrika: Nur noch 40 Prozent sind sehr zuversichtlich. Vorausgegangen waren Werte von 44 Prozent (2013) und 57 Prozent im Jahr 2012. Um zehn Prozentpunkte auf 43 Prozent verringert hat sich der Zuversichts-Index der lateinamerikanischen CEOs. Nordamerikas Firmenlenker verharren auf 33 Prozent.

Unterschiede zeigen sich auf Länderebene: 53 Prozent der russischen Manager sind für 2014 sehr zuversichtlich, Umsatzwachstum erzielen zu können, und führen damit die Rangliste an. Auf den weiteren Plätzen folgen Mexiko (51 Prozent) und Südkorea, wo die Zuversicht von 6 Prozent im Vorjahr auf 50 Prozent in diesem Jahr anstieg. Schlusslicht ist Argentinien mit 10 Prozent.

Während das Vertrauen in die Weltwirtschaft langsam zurückkehrt, gibt es aber auch Themen, die den CEOs weltweit große Sorgen bereiten. Politische Entscheidungen beziehungsweise deren Ausbleiben führen die Sorgenliste mit historischen Spitzenwerten klar an. 72 Prozent der Manager weltweit fürchten sich vor Überregulierung. Extreme Besorgnis hierzu herrscht in Frankreich (88 Prozent), Australien (85 Prozent), Indien (82 Prozent) und Deutschland (76 Prozent). 71 Prozent der CEOs weltweit fürchten sich vor den Folgen der defizitären Staatshaushalte – so viele wie noch nie.

Top-Thema für US-Manager ist das nationale Staatsdefizit, das 92 Prozent als erhebliche Bedrohung für die Wirtschaft ansehen, gefolgt von Argen­tinien (90 Prozent) und Frankreich (84 Prozent). Die Furcht vor steigender Steuerbelastung (weltweit: 70 Prozent), der Mangel an Nachwuchskräften (63 Prozent), Währungsschwankungen (60 Prozent) und das Misstrauen in die Stabilität der Kapitalmärkte (59 Prozent) vervoll­ständigen das Ranking. Cyber-Attacken, die nicht einmal jeder zweite Manager nannte, ängstigen die Wirtschaftsführer hingegen vergleichsweise wenig.

„In Überregulierung, den weiterhin bestehenden Staatsdefiziten und steigender Steuerbelastung sehen die Wirtschaftsführer weltweit die größte Gefahr für weiteres Wachstum. Dies ist ein klares Signal an die Politik“, so Norbert Winkeljohann.

Die größten Hoffnungsträger für das Wachstum des eigenen Unternehmens liegen in neuen Produkten und Dienstleistungen: Jeder dritte Manager (35 Prozent) nennt Innovationen als Schlüssel für weiteres Wachstum. Wachs­tumsmöglichkeiten sehen die Vorstandsvorsitzenden außerdem in den Märk­ten, in denen sie bereits aktiv und erfolgreich sind (weltweit: 33 Prozent).

Die größte regionale Bedeutung für die Wachstumspläne in 2014 haben weiterhin China und die Vereinigten Staaten. Einen Sprung von Rang 8 auf Rang 5 verbucht Großbritannien und lässt damit Indien und Russland hinter sich. Zu den Aufsteigern für die Wachstumsaussichten der kommenden drei bis fünf Jahre zählen Indonesien, Mexiko, die Türkei, Thailand und Vietnam.

Die leicht verbesserte Stimmung unter den CEOs soll sich 2014 auch auf die Einstellungspolitik auswirken. 50 Prozent der Manager weltweit wollen in den kommenden zwölf Monaten die Zahl ihrer Mitarbeiter erhöhen. Im Mittel soll sich die Belegschaft um knapp über 5 Prozent erhöhen.

Den größten Einstellungsbedarf weltweit haben Unternehmen der Technologie-Branche (63 Prozent), im Bereich Dienstleistungen (62 Prozent) und im Asset-Management (58 Prozent). Norbert Winkeljohann: „Das Nachwuchskräfteproblem sehen die meisten CEOs noch immer als ungelöst an. Neun von zehn Managern haben noch keine Strategie, wie sie die richtigen Mitarbeiter finden oder wichtige Mitarbeiter an sich binden können.“

Unternehmen beschäftigen sich eigenen Angaben zufolge derzeit intensiv mit neuen Talent-Strategien. Eine wichtige Rolle spiele dabei auch der demo­grafische Wandel, der weltweit unterschiedliche Facetten hat: So liegt das Durchschnittsalter eines Beschäftigten in Europa bei 43 Jahren, in China bei 38 Jahren und in Afrika bei 20 Jahren. „Das internationale Unternehm­enssteuer-System bedarf aus Sicht der CEOs dringend einer Überarbeitung. Fast zwei Drittel der Manager weltweit sind der Meinung, dass die veralteten Steuergesetze die modernen Konzernstrukturen in einer globalisierten Wirtschaft nicht ausreichend abbilden“, so Norbert Winkeljohann.

Pointiert ist auch die Einschätzung, ob die G8, G20 und OECD in den kommenden zwei Jahren eine substanzielle Reform des internationalen Steuersystems erreichen könnten: 40 Prozent der Manager glauben nicht daran. Ein Beitrag der Unternehmen könnte darin bestehen, multinationale Konzerne zur Offenlegung ihrer Umsätze, Ergebnisse und Steuerquoten in allen Ländern zu bringen.

Bei der Wahl eines Auslandsstandorts spielen die lokalen Steuergesetze für Manager eine eher untergeordnete Rolle: Nur 63 Prozent geben an, dass dieser Aspekt beim Gang ins Ausland wichtig sei. Beim Blick auf die Wert­schöpfung eines Unternehmens gewinnt die gesellschaftliche Aner­kennung an Bedeutung. Weltweit sagen 76 Prozent der CEOs, dass sie sich nicht nur gegenüber Investoren, Kunden und Mitarbeitern verpflichtet fühlen, sondern auch den Belangen der Allgemeinheit.